Aufgabe
Neuordnung der Wandsbeker Zollstrasse
eingeladenes, konkurrierendes Verfahren
Mitarbeiter
Ulrich Hahnefeld, Stephan Schrick, Kristin Dierbach
Bauherr
Freihe und Hansestadt Hamburg
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Standort
Wandsbeker Zollstrasse, Wandsbek, Hamburg
Material
Datum
bis 09-2006
Zahlen
 
Architektur Olympiade Hamburg 2006



WANDSBEKER ZOLLSTRASSE
Städtebauliche Neuordnung

Erläuterungen

Die Präambel der Auslobung zum Wettbewerbsgebiet Wandsbeker Zollstrasse umschreibt treffend mit einem Satz den Kern der Aufgabe: „Die Straße zeigt in ihrem Verlauf unterschiedliche Weiten mit vor- und zurückspringenden Gebäuden, klar definierte Raumkanten sowie Orientierungspunkte sind rar, sie lassen die B 75 im Bereich Wandsbeks als unattraktiven Straßenraum erscheinen.“

Ziel der Neuordnung des Gebietes ist, genau diesen festgestellten Mängeln so zu begegnen, dass sich ein charaktervoller Straßenraum mit angrenzenden Wohn- und Arbeitsquartieren mit hoher Aufenthaltsqualität in zeitlichen Abschnitten entwickeln kann.

Für das gesamt Gebiet gilt:

Die so genannte Wandsbeker Traufe, die weiter westlich am Wandsbeker Markt identifizierbarer Höhenkodex ist, wird in auf das Gebiet der Wandsbeker Zollstrasse abgestimmte, d.h. differenzierte Weise weiter gefestigt. Trotz grundsätzlich unterschiedlicher Detailausprägung der beiden an der Wandsbeker Allee aneinander grenzenden Gebiete „Markt“ und „Zollstrasse“, besteht doch ein kontinuierlicher städtebaulicher Kontext, der durch die Höhenentwicklung der Bebauungsstruktur in der Erlebbarkeit intensiviert wird. Gerade die feinen Höhendifferenzierungen an der Wandsbeker Zollstraße gemessen an der Wandsbeker Traufe schaffen städtebauliche Detailmotive und ermöglichen Akzentuierungen an relevanten Stellen.

Die verbliebenen Reste der historischen Parzellenstruktur werden so weit wie möglich erhalten. Gerade die Mischung der stark unterschiedlichen Grundstücksgrößen im Gebiet – von frei stehenden Einzelhäusern bis zu großflächigen Industrie-Parzellen- ist ablesbare Stadtentwicklungsgeschichte. Dort wo der kleinteilige Grundstückszuschnitt vorhanden ist, wird die Struktur für Bewohner und Passanten ablesbar gemacht in Gebäudegestaltung und Höhenentwicklung. Neu hinzugefügte Bebauung nimmt diesen Basis-Rhythmus auf. Fast beiläufig -fußend auf einem gestalterischen Prinzip- wird die Realisierbarkeit in Bauabschnitten möglich.

Fehlende oder in der Höhe unzureichende Bebauung wird im Rahmen der Schließung der Blockränder ergänzt. Durch eindeutige Zuordnung und Definition der Räume der Einmündungen der abgehenden Nebenstraßen, entsteht ebenfalls ein Orientierung gebender städtebaulicher Rhythmus und eine Sequenz von Raumfolgen sowohl für den Fußgänger wie auch für den Autofahrer.

Durch bauliche Verdichtung der Blockränder ergibt sich im Kontrast dazu sowohl die Möglichkeit wie auch die Notwendigkeit den auf der nördlichen Rückseite verlaufenden Grünzug den Wandse gestalterisch an die Wandsbeker Zollstrasse zu führen. Die Verbindungen zwischen dem „schnellen“ städtischen Straßenraum mit den angrenzenden Quartieren und dem „langsamen“ Flusslauf mit den Grünräumen in Naherholungsqualität wird gestärkt.

Nach der Analyse der Nutzungen der vorhandenen Bebauung verschiedener Blöcke wurden die Ergänzungen mit ähnlicher Nutzung hinzugefügt. Die einzelnen Abschnitte werden durch funktionale Zusammenfassungen beruhigt und zusammen gefasst. Durch die geordnete Nachbarschaft von Gewerbeblöcken und Wohnbereichen mit eigener Bebauungsstruktur, entstehen abwechslungsreiche Nachbarschaften mit Identität. Unverträglichen funktionalen oder gestalterischen Monostrukturen wird entgegen gewirkt.

Das architektonische Leitthema entspringt einer Bautypologie, die bereits im Gebiet gefunden wird und die die verschiedensten Anforderungen im Spannungsfeld von Bestandsgebäuden und Ergänzungen verbindet. Der Straßenraum der Wandsbeker Zollstrasse wird mit der beschriebenen Höhenentwicklung geschlossen. Sowohl als städtebaulicher Rhythmus in Ergänzung der Höhenentwicklung als auch als Möglichkeit der Erschließung der Blockinnenräume gibt es Durchfahrten und Durchgänge. Die Wohnbebauung erreicht man durch ca. 3m hohe Durchgänge über Erschließungshöfe. Die Gewerbegrundstücke werden erschlossen über ca. 6m hohe Durchfahrten. Im Blockinnenraum bleibt am definierten Stellen großflächiger Einzelhandel oder andere großflächige Gewerbenutzungen mit Parkplatzflächen möglich. Die wichtige Sichtbarkeit und Erlebbarkeit dieser Flächen von der Hauptstrasse aus ist gewährleistet und der Straßenraum trotzdem im nötigen Maß geschlossen und beruhigt. Es entstehen im Wechsel von überwiegend geschlossener Straßenrandbebauung und den beschriebenen Öffnungen unterschiedlich gestaltete interessante Einblicke und Zugänge als weitere Eigenart des Gebietes.

Nötige Akzentuierungen im städtischen Gefüge werden an besonderen städtebaulichen Orten durch besondere Gebäude und Bauformen gesetzt

Die Quartiere im Einzelnen:

Sporthalle Wandsbek / Arena Wandsbek Durch die Umbauung der Sporthalle schließt sich der Straßenraum an westlichen Ende der Zollinsel. Die Eckgestaltungen der Einmündung Schädlerstraße folgt dem gleichen Ziel. Durch teilweise aufgeständerte Baukörper, die den Blick auf die Sporthalle erlauben, wird das Thema der durchbrochenen Straßenrandbebauung eingeführt.

Zollinsel Die Bebauung der Zollinsel gibt die Möglichkeit für ein spektakuläres Gebäude, das selbst zur Marke werden kann. Von beiden Seiten steigt die Gebäudehöhe beginnend von der Höhe der Wandsbeker Traufe zu einem VII-geschossigen Büro- und Geschäftshaus an. Gläserne Atrien zu beiden Straßenseiten inszenieren den öffentlichen Raum und variieren das architektonische Leitthema der Straßenrandbebauung.

Wohnquartier Hefe-Fabrik Auf dem Gelände der Hefe-Fabrik fügt sich eine, im der Wandsbeker Zollstraße abgewandten Abschnitt, kleinmaßstäbliche Wohnbebauung ein.

Zollinsel / Morewoodstraße Am östlichen Ende der Zollinsel vor der Ostspitze der Zollinselbebauung, des „Zollhofes“, entsteht eine städtebauliche Aufweitung. Die Südseite diesen Raumes wird geschlossen durch eine Ergänzung der Blockrandbebauung. Mit einem dominanten Baumraster, das wo möglich über die Straße greift, zeigt sich an dieser Stelle der Gründraum der Wandse mit der deutlichen Verbindung zur Wandsbeker Zollstraße.

Gewerbegebiet zwischen Grünzug und Holzmühlenstraße Die großflächigen Fachmärkte bleiben erhalten und durch weitere zusammen gelegte Flächen ergänzt. Der Blockrand / Straßenraum wird mit einem Büro- und Gewerberiegel und einzelnen Gebäuden geschlossen. Großzügige zweigeschossige Durchbrüche erlauben die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der rückwärtigen Lagen von der Straße.

Efftingestraße / Puvogelstraße Das Thema des großflächigen Gewerbes im Blockinneren mit Randbebauung wechselt hier auf die Südseite der Wandsbeker Zollstraße. Mit dem kleinen westlich der Efftingestraße gelegenen Gebiet entsteht ein geordnetes, vielfältig nutzbares Gewerbe- und Büroquartier.

Holzmühlenstraße / Kedenburgstraße Nördlich der Wandsbeker Zollstraße entsteht ebenfalls durch das übergeordnete Thema der differenzierten, teilweise durchlässigen Blockrandbebauung im direkten Anschluss an den Grünraum der Wandse ein neues Wohnquartier. Einzelne Gewerbebetrieb und Bürogebäude lockern das Quartier auf und sind mittelfristig durch Wohnnutzung mit Umgestaltung und Verdichtung der Innenhöfe zu ersetzen. Von der Wandsbeker Zollstraße beginnend entsteht so in drei Schichten, vom Verkehr der Straße sich selbst abschirmend, die Wohnbebauung mit direktem Zugang zum Wandse-Park und zum Wasser. In diesem Quartier sind mit den letzen Einzelhäusern die Zeugen der historischen Bebauungsstruktur zu sehen. Der Parzellenzuschnitt dieser Gebäude gibt die Struktur der Höhenentwicklung und der Gestaltung der neuen Bebauung vor.

Insgesamt erreichen die differenzierten Maßnahmen im Verlauf der Wandsbeker Zollstraße die Arrondierung der unterschiedlichen im Bestand wenig zusammen hängenden Gebiete zu einer wahrnehmbaren Einheit. Diese Einheit wird erreicht durch die beschriebenen Struktur gebenden Gestaltungsgrundsätze die das Gebiet für die Benutzung in verschiedenen „Geschwindigkeiten“ erlebbar machen. Es werden verschiedene, in sich geordnete Quartiere unterschiedlicher Nutzung geschaffen. Besondere Gebäude oder Grünräume werten das Gebiet weiter auf und markieren für den übergreifenden städtebaulichen Zusammenhang relevante Orte. Grundsätzlich wichtig dabei ist, die verwendeten Themen und Motive im Gebiet selbst gefunden, analysiert und mit Inhalt und Ordnung aufgeladen zur Neustrukturierung verwendet zu haben.