Aufgabe
Einladungswettbewerb
Neubau Haus der Jugend Kirchdorf
Mitarbeiter
Gartenlabor, Ulrich Hahnefeld, Gabriele Roy, Stephan Schrick
Bauherr
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Standort
Hamburg Kirchdorf
Material
Vertikalvegetation auf Streckgitterkörben
Datum
03-05
Zahlen
1300 m² BGF
 
WB Haus der Jugend Kirchdorf, Hamburg



Kirchdorf im Süden Hamburgs braucht ein neuen Haus der Jugend.
Es ist an der Zeit den Neubau des Hauses der Jugend stärker sichtbar in das Bewusstsein und den Alltag Kirchdorfs zu rücken als es der alte Standort leisten konnte. Um der regionalen Bedeutung der Funktion des HdJ gerecht zu werden, steht der neue Baukörper direkt am Siedenfelder Weg in der Achse Krieterstrasse / Algermissenstrasse. Die Gebäudeecke zur Maximilian Kirche fängt den Raum vor der Kirche, bildet eine Platzkante und leitet den Glasriegel am Seidenfelder Weg ein. Gleichzeitig findet dort die Zufahrt zu den Stellplätzen statt.
Die kaum zu überschätzende Arbeit des HdJ in den letzten Jahrzehnten für die Kinder und Jugendlichen in Kirchdorf und damit auch für ihre Familien und den gesamten Stadtteil mit seinem sozialen Umfeld, bekommt einen eindeutigen Ort in einem Gebäude, das Präsenz verbindet mit Identität. Die Funktionen finden Gestalt in einem zeichenhaften Gebäude, das sich selbstbewusst in die Nachbarschaft einreiht. Gleichzeitig zeigt die Gestaltung der sich verschränkenden U-fömigen Baukörper von HdJ und überdachtem Aussenbereich den Übergang aus einer städtischen –in diesem Fall vorstädtischen Struktur zu einem Landschaftspark für den Stadtteil. Die beiden Körper mit den unterschiedlichen Zonen bilden gleichsam den Auftakt und den „Einstieg“ in den das gesamte Grundstück prägende Ring des Parks.
Die Funktionen des HdJ sind nach ihrem Grad von Öffentlichkeit und Privatheit auch unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten geordnet. Direkt an der Strasse liegen das Cafe , der Clubraum und der Eingangsbereich mit dem Empfang. Die Funktionen bekommen ein Gesicht, Aktivitäten können im Stadtraum wahrgenommen werden, Schwellenangst wird reduziert. Diesem Konzept folgend, führt die Modellierung des Gebäudes und des Daches den Besucher über einen geschützten Eingangshof als Treffpunkt und Werkhof bereits symbolisch in das Haus hinein. An dieser Stelle wird deutlich, dass der Körper des HdJ in zwei kontrastierende Teile differenziert ist. Der extrovertierte Glasriegel birgt die oben beschriebenen öffentlichen Funktionen, die vom hohen Aktivitätspotential der Einrichtung und ihrer Benutzer erzählen. Im eher introvertierten, begrünten Abschnitt gibt es Gruppen- und Beratungsräume, Rückzugs- und Sportmöglichkeiten. Das Obergeschoss setzt diese Absicht der differenzierten Raumfolge fort. Erschliessungsraum , Cafe und Leitungsbüro bilden die Schnittstelle und den zentralen Bereich des Hauses.
Die langsam zuwachsende Streckgitterfassade einen sinnvollen Graffiti-Schutz und steht ebenso wieder für den Übergang von Stadt- zu Landschaftsraum. Die verschieden Raumzonen im Aussenbereich und im Inneren des Hauses sollen gleichsam einen Parcours öffnen auf dem die Besucher auf selbstverständliche Weise erfahren können welche Angebote das HdJ bietet. Eine eindeutige Definition einer Grenze zwischen Innen und Aussen soll verwischt werden. Diesem Konzept folgen auch die „Körbe“ aus Maschendraht oder Streckgitter, die teilweise die Stützen aufnehmen, die das Dach –ebenfalls aus Gitterkörben- halten und ebenfalls über die Zeit zuwachsen können.
Insgesamt versucht der Neubau der gesamten Anlage des Hauses der Jugend selbstbewusst im Konzert von Solitärbauten der unmittelbaren Umgebung einen neuen Ort und eine neue Form zu finden, differenziert Raum und Funktionen zu Definieren ohne Grenzen zu ziehen und ein Angebot für den Stadtteil zu schaffen, das man annehmen muss.

Aussenanlagenkonzept

Das neue Haus der Jugend in Kirchdorf und sein Umfeld soll ein Ort für Identifikation werden und auch über den Stadtteil hinaus als vorbildliche Einrichtung für Jugendliche und Kinder ausstrahlen. Wir glauben, dass dieser Ort Symbolcharakter bekommen muß, um dieses Ziel zu erreichen. Der Kreis ist unserer Meinung nach ein geeignetes Symbol, sowie das prädestinierte Ordnungsprinzip, um diesen Ort zu einem Stück Zuhause im Stadtteil zu machen.
Der Loop – ein ca. 3m breiter Wegering aus farbigem Asphalt - dient einerseits als Überbrückung der Wettern und Einrahmung eines urbanen Spielgeländes im Zentrum von Kirchdorf. Er bildet die fußläufige Erschließung für und den Rundgang über das mehr als 1 Hektar große Grundstück.
Der Loop ist andererseits eine modellierte Ringbahn für vielfältige Bewegungsmöglichkeiten vom Bobby-Car Fahren bis zum Roller Blade Laufen. Langsame und schnelle Bewegungsabläufe sind auf dem Loop von aussen nach innen möglich. Besondere Kunststücke können an Steilkurven geübt und vorgeführt werden. Die Struktur des Geländes bietet Ausweichmöglichkeiten durch Buchten und angrenzende Spielbereiche für verschiedene Altersgruppen und schafft im Zentrum aber auch Raum für Begegnung und gemeinsame Aktionen der Jugendlichen.
Der Ring als Ordnungssystem bildet mit seinen Modulationen und Zonierungen eine flexible und wandelbare Struktur auch für noch kommende Trends im Aussensport für Kinder und Jugendliche. Im überdachten Multisportbereich können mobile Skategeräte aufgestellt werden. Die Feldsportarten sind durch Bodengrafik markiert. Die Südfassade des Neubaus wird durch die Kletterwand bespielt.
Die nur auf den ersten Blick trennend wirkende Wettern erweitert die Vielfalt des Spielgeländes. Ein Naturerlebnis ist – wenn auch durch Wassertrübung und Vermüllung eingeschränkt – noch möglich und soll durch Anlage eines Schilfgürtels erweitert werden. Gartenparzellen für Kinder als weiteres Naturerlebnisangebot und Gegenpol zum Skateboardrummel sind an der Peripherie vorgeschlagen.